Was sind digitale Kultur- und Geisteswissenschaften?
Die umfassende Digitalisierung der Gesellschaft macht auch vor den Geisteswissenschaften nicht halt. Kulturelle Artefakte wie Texte, Bilder oder audiovisuelle Medien liegen zunehmend digital vor, zudem kommen auch in kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschung immer öfter digitale Methoden zum Einsatz.
Die Digital Humanities sind ein in dieser medialen Umbruchsphase neu entstandenes Forschungsgebiet, das sich mit der Anwendung digitaler Methoden in den Geistes- und Kulturwissenschaften sowie mit den Konsequenzen des Medienwandels für diese Disziplinen beschäftigt.
Dabei spielt Interdisziplinarität eine große Rolle: In den Digital Humanities werden kultur- und geisteswissenschaftliche Forschungsansätze mit denen der Informatik verbunden und gegenseitig in Beziehung gebracht. Dies eröffnet nicht nur die Chance, der Geistes- und Kulturwissenschaft neue Möglichkeitsräume zu erschließen, sondern auch, Datafizierung und Digitalisierung nicht lediglich als rein technische Angelegenheit zu verstehen, sondern in ihrer Methodik und ihren Konsequenzen kritisch zu reflektieren.
Dahinter steht nicht zuletzt die Überzeugung, dass gerade die Kultur- und Geisteswissenschaften mit ihren Kernkompetenzen im Umgang mit pluralistischen, multiperspektivischen Weltbildern sowie ihrem kompetenten Umgang mit Quellenkritik und kritischer Reflexion wesentliche Beiträge zur Gestaltung der digitalen Transformation der Gesellschaft bieten können.
Unsere Abteilung
Die Abteilung für digitale Philologie ist Teil des Forschungsschwerpunkts Digital Humanities an der Universität Wien, den sie zusammen mit der Digital-Humanities-Forschungsgruppe an der historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät bildet. Darüber hinaus ist die digitale Philologie aber auch eingebettet ist in eine äußerst vielfältige Wiener Digital-Humanities-Landschaft, die ‚traditionelle‘ Fächer ebenso wie die Österreichische Akademie der Wissenschaften sowie Museen und Archive umfasst und damit weit über die Universität hinausreicht.
In diesem umfassenden Forschungsgebiet legt die digitale Philologie ihren besonderen Schwerpunkt auf Texte (die im Digitalen aber immer auch in multimodalen Kontexten betrachtet werden müssen) und Forschungen aus dem Bereich der Linguistik und Literaturwissenschaft.
In der Abteilung gibt es drei Schwerpunktbereiche:
• Digitale Korpuslinguistik (Prof. Hannes Fellner)
• Digitale Textwissenschaften (Prof. Benjamin Roth)
• Digitales Edieren (Prof. Gabriel Viehhauser)
Unsere Lehre: MA und EC Digital Humanities
In der Lehre ist die Abteilung für digitale Philologie in die Organisation und Durchführung des Masterstudiengangs Digital Humanities sowie des entsprechenden Bachelor-Erweiterungscurriculums involviert, zu dem wir eine Reihe von Lehrveranstaltungen beitragen. Im Zentrum unserer Lehre stehen – neben einer einführenden Ringvorlesung - insbesondere praxisnahe und forschungs- bzw. projektbezogene Übungen, die den Studierenden nicht nur die Methoden der Digital Humanities näherbringen sollen, sondern es auch ermöglichen, diese Methoden selbständig und reflektiert auf eigene Fragestellungen anzuwenden und zu erweitern.
